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  • Oscar

Boden – unsere wichtigste Ressource?




Wir alle laufen auf ihm, aber wollen ihn ungern berühren. Dennoch ist er so unglaublich wichtig für uns. Der Boden!


Wenn wir uns mit Pflanzen beschäftigen, freuen wir uns größtenteils über die schönen Farben, das satte Grün und den Wuchs. Dabei kann man schnell vergessen, dass mindestens die Hälfte der Pflanze unter der Erde liegt. Der Boden ist viel mehr, als ein Ort, an dem sich die Wurzeln befinden. Er ist die Nahrung, die Geburtsklinik, die Lebensversicherung für unser Gemüse.


Das Problem: Pflanzen können sich nicht bewegen und den besten Standort für sich selbst auswählen… Deswegen machen wir uns als Farmer:innen viele Gedanken, wie wir diesen Lebensraum so angenehm wie möglich machen können.


Die Basics: Boden besteht im Großen und Ganzen aus drei Bestandteilen: Lebewesen (wie Regenwürmer), organischer Materie (wie abgestorbene Pflanzen und Bodenlebewesen) und verwittertem Gestein (z.B. Sand oder noch kleinere Partikel). Dazwischen Luft, Wasser und Nährstoffe.


Als wir auf unserer Brandenburger Farm begannen, sahen wir uns mit sandigem Boden konfrontiert – keine idealen Bedingungen für unsere Pflanzen. Sand, das sind große Bodenpartikel, die dazu neigen, Wasser schnell abfließen zu lassen und Schwierigkeiten haben, Nährstoffe zu binden.


Also mussten wir dem Boden auf unserem Farm Grundstück unter die Arme greifen. Der Gedanke ist leicht: Wenn man den Sand mit gutem „Boden“ durchmischt, dann sind unsere Probleme gelöst.


Dafür braucht es vor allem eine Geheimzutat: Humus.

Um den Prozess zu beschleunigen und wegen der Nährstoffe bringen wir zusätzlichen Humus aufs Feld.


Humus, das sind zersetzte Pflanzenreste. Als Faustregel gilt: Je dunkler der Boden, desto mehr Humus ist enthalten, desto besser können wir Pflanzen anbauen.


Humus dient als effektiver Klebstoff für Bodenpartikel, wie Sand. Diese Krümelstruktur verhindert, dass Wind und Wasser den Boden wegtragen, ermöglicht Luftzufuhr in tiefere Schichten und fördert die Aufnahme und Speicherung von Wasser. Als regelrechter Magnet zieht Humus außerdem Nährstoffe an. Auch ernähren sich Bodenlebewesen von ihm.


Humusaufbau ist ein langwieriger Prozess. Pflanzenreste müssen in den Boden eingebracht und von Lebewesen zersetzt werden. Das konnten wir auf mehreren Wegen erreichen. Zum einen bringen wir Pferdemist oder auch Kompost auf den Beeten aus. Diese verrotten und vermischen sich über die Zeit mit dem Boden. Auch Bearbeiten wir den Boden nur leicht oder gar nicht. Dadurch bleiben die toten Wurzeln der Pflanzen tief in der Erde und verrotten. Hinzu kommen Bodenlebewesen, wie Regenwürmer, die durch ihre Bewegungen und ihren Kot organische Substanz verteilen.


Dabei ist der Boden lebendiger, als es den Anschein hat. In einem gesunden Boden tummeln sich bis zu 10 Milliarden Lebewesen, die in einem fragilen Gleichgewicht leben. Dieses Gleichgewicht ist entscheidend für die Konsistenz und Krümeligkeit des Bodens, die wiederum das Wachstum von Pflanzen fördert. Ein positiver Kreislauf, der auch schnell ins negative kippen kann. Bei einer gesunden Umgebung werden zusätzlich Krankheitserreger im Boden unterdrückt.


In der konventionellen Landwirtschaft wird Boden oft als ausbeutbare Ressource betrachtet, die man düngen und bearbeiten kann, wie man will. Das Pflügen, bei dem der Boden umgedreht wird, führt jedoch zu fatalen Folgen für die Bodengesundheit. Es stört die Bodenlebewesen und verringert den Humusanteil. Wir setzen daher auf eine bodenschonende Arbeitsweise, ohne Pflügen und mit maximaler Humus Einbringung. So werden die Lebewesen geschützt und die Struktur nachhaltig erhalten.


Boden ist unsere Versicherung als Menschen, das Fundament der Natur. In einer Zeit, in der die Landwirtschaft versucht, ihre Erträge immer weiter zu steigern, gewinnt gesunder Boden eine immer stärkere Bedeutung. Dabei ist es unerlässlich, die Natur zu respektieren und nachhaltige Methoden zu wählen.


Zum Schluss eine oft übersehene Tatsache: Boden speichert enorm viel CO₂. Wurzeln, reich an Kohlenstoff, verrotten im Boden und binden dieses Gas als Humus. Mit nachhaltiger Bodenbearbeitung können wir einen erheblichen Beitrag zur Reduzierung von CO₂-Emissionen leisten und den Klimawandel bremsen.


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